The Nobel Prize in Chemistry 1920
Walther Nernst
Walther Nernst's speech at the Nobel Banquet in Stockholm, December 10, 1921 (in German)
Eure Königliche Hoheit!
Meine Damen und Herren!
Indem ich zunächst Herrn Prof. Gullstrancl meinen
tiefgefühlten Dank für die so sehr freundlichen Worte
der Begrüssung und besonders auch für die freundliche
Erwähnung meiner bescheidenen wissenschaftlichen Leistungen
herzlich danke, bitte ich mir zu gestatten, meinerseits der
alterwürdigen Königlichen Akademie der Wissenschaften
zu Stockholm zu gedenken. Freilich, ich würde mir
unbescheiden und vermessen vorkommen, wenn ich es unternehmen
wollte, einiges zum Ruhme dieser Akademie sagen zu wollen, die
von jeher die führenden Naturforscher Schwedens zu ihren
ordentlichen Mitgliedern gezählt hat. Nur auf die
kulturgeschichtliche Mission, zu der die schwedische
Wissenschaftsakademie gegenwärtig, wie keine andere, berufen
erscheint, möchte ich mit einigen Worten eingehen, und ich
glaube mich damit mit meinem Vorredner Herrn Anatole France in
vollkommener Übereinstimmung zu befinden.
Wissenschaft und selbst Kunst sind nicht nationale Liebhabereien. Die Begriffen von Wahrheit und von Schönheit sind allen Kulturvölkern gemeinsam und können auf die Dauer durch keine politischen Differenzen willkürlich von einander getrennt werden. Zum stolzen Bau eines wissenschaftlichen Lehrgebäudes tragen fast immer Vertreter der verschiedensten Nationen bei, und wenn ich an ein Erlebnis der letzten Wochen anknüpfen darf, so möchte ich mitteilen, dass wir in Berlin ganz kürzlich des hundertsten Geburtstages unseres unvergesslichen Helmholtz, in einer wissenschaftlichen Feier gedacht haben. Helmholtz schuf unter anderem den Augenspiegel, und diese Arbeit wurde, wie Ihnen allen bekannt ist, in glänzendster Weise erweitert und vertieft gerade durch die Forschungen des Herrn Prof. Gullstrand. Und so finden wir es überall in den Naturwissenschaften wieder, dass bei der Bearbeitung eines Problemes sich Vertreter der verschiedenen Nationen gegenseitig abwechseln.
Wir alle wissen, dass gegenwärtig von einer harmonischen Zusammenarbeit der Wissenschaft im Kreise der verschiedenen Völker nicht gesprochen werden kann. Dies ist ein bedauerlicher, ja, unwürdiger Zustand; denn die wissenschaftliche Forschung strebt nur nach der allen Völkern gleich erstrebenswerten Wahrheit und sollte daher über politischen Kämpfen und Interessengegensätzen stehen. Dies sage ich nicht als ein Mitglied meines Volkes, sondern ich sage es lediglich als Jünger einer wissenschaftlichen Disziplin. Und ich glaube hoffen zu dürfen, dass ähnliche Auffassungen nirgends so vorherrschen, wie gerade in der schwedischen Wissenschaftsakademie, und auch gegenwärtig nirgends mit gleichem Erfolge gepflegt werden können, wie seitens dieser erlauchten Körperschaft.
Prior to the speech, Professor A. Gullstrand, addressed the laureate (in German): "Herr Professor Nernst! Die Eigenart der deutschen Kultur tritt vielleicht nirgends schöner hervor als in der bewundernswerten Organisation der exakten wissenschaftlichen Forschung. Sie haben auch verstanden, diese Erbschaft Ihres Vaterlandes durch Ihre hervorragenden Untersuchungen auf dem Grenzgebiete der Physik und der Chemie fruchtbar zu machen. Ob Ihre glänzenden thermochemischen Arbeiten schönere Früchte auf dem einen oder anderen Gebiete zeitigen werden, lässt sich jetzt nicht überblicken. Durch die Erteilung des Nobelpreises für Chemie hat aber die Akademie der Wissenschaften bezeugt, dass Sie jedenfalls auf diesem Gebiete der Menschheit grossen Nutzen gewährt haben."
From Les Prix Nobel en 1919-1920, Editor Carl Gustaf Santesson, [Nobel Foundation], Stockholm, 1922
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