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Nobel Prizes and Laureates


The Nobel Prize in Physics 1961
Robert Hofstadter, Rudolf Mössbauer

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Banquet Speech

Rudolf Mössbauer's speech at the Nobel Banquet in Stockholm, December 10, 1961 (in German)

Eure Majestäten, Königliche Hoheiten, Hochansehnliche Festversammlung.

Im vergangenen Herbst hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit Ihr gastfreundliches Land und einige seiner schönen wissenschaftlichen Institutionen kennenzulernen. Damals konnte ich nicht ahnen, dass es mir vergönnt sein würde so kurze Zeit später und zu solch festlichem Anlass wieder in Schweden zu weilen. Die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften hat mich durch die Verleihung des Nobelpreises mit der höchsten Auszeichnung geehrt, die einem Wissenschaftler zuteil werden kann. Die hohe Ehre, in die weltweite Gemeinschaft der Nobelpreisträger aufgenommen zu werden, erfüllt mich mit grosser Freude und tiefempfundenem Dank, ruft jedoch auch ein Gefühl der Demut hervor angesichts der vielen berühmten Namen in der langen Reihe derjenigen die diese höchste Auszeichnung bisher empfangen haben.

In diesem feierlichen Augenblick denke ich an die Forscher, deren früheres Wirken die Durchführung meiner Arbeiten möglich gemacht hat. Sie alle werden heute ebenfalls geehrt und ihnen gebührt mein Dank. Besonders hervorheben möchte ich meinen verehrten Lehrer Heinz Maier-Leibnitz, der mir vor 8 Jahren die erste Einführung in mein gegenwärtiges Arbeitsgebiet erteilte und mir später mit Rat und Tat zur Seite stand.

Solange es Menschen gibt, werden sie nicht aufhören, Fragen an die Natur zu stellen. Nach erfolgreicher Beantwortung einiger derartiger Fragen ist man versucht, über den praktischen Wert des bisher Erreichten nachzudenken. Zwar ist mein spezielles Arbeitsgebiet im materiellen Sinne sehr weit von jeglicher Beziehung für das Wohlergehen des Einzelnen entfernt, doch bedeutet es eine gewisse Befriedigung, dass die entwickelten Methoden nicht nur in einem speziellen Gebiet Anwendung finden, sondern in viele Zweige der Physik, Chemie und neuerdings auch der Medizin eindringen und in dieser Weise mitwirken die Verbindung zwischen den einzelnen Disziplinen zu vertiefen. Ich verbinde hiermit auch die Hoffnung, dass diese Entwicklung dazu beitragen möge, im Sinne Alfred Nobels den internationalen Kontakt unter den Wissenschaftlern zu verbessern und in dieser Weise mithelfen möge die internationale Verständigung zu fördern.

Ich möchte der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften und der Nobelstiftung auch im Namen meiner Frau und meiner Familie meinen wärmsten Dank aussprechen für diese höchste mir bereits in jungen Jahren zuteil gewordenen Auszeichnung.


Prior to the speech, G. Liljestrand, member of the Royal Academy of Sciences, addressed the laureate: Herr Professor Mössbauer, Sie haben die Wirkung der rückstossfreien Emission von g-Strahlen in festen Körpern entdeckt und dadurch ungeahnte Möglichkeiten zu enorm verfeinerten Messungen von fundamentalen Grossen anweisen können. Die Experimentalphysik hat dadurch ein neues Hilfsmittel zur Lösung verschiedener Grundfragen erhalten. Wir bewundern besonders, dass Ihre Entdeckung aus einer beobachteten Abweichung von dem erwarteten Ergebnis entstand, die Sie mit dem Scharfsinn des geborenen Forschers ausnützen konnten.


Mr Mössbauer's Address to the University Students on the Evening of December 10, 1961 (in German)

Studentinnen und Studenten Stockholms.

Im Namen der Nobelpreisträger des Jahres 1961 möchte ich Ihnen unseren herzlichen Dank aussprechen für die wunderbare Umrahmung die Sie dieser Feier mit Ihren Ansprachen und Ihren schönen Gesängen gegeben haben. Dieser Tag ist für uns Preisträger wohl der Bedeutendste in unserem Leben und der Ablauf dieses Abends wird uns allen ein unvergessliches Erlebnis bleiben.

Als Physiker bin ich geneigt, meine Gedanken in der Formelsprache der Mathematik auszudrücken. Da ich hier jedoch als Vertreter verschiedener Fachrichtungen zu Ihnen sprechen darf, will ich auf diese spezielle Ausdrucksweise verzichten und mich stattdessen einer allgemein verständlichen Sprache bedienen, wiewohl wir einen Literaten in unserer Mitte haben der dieses Metier wesentlich besser zu handhaben weiss.

Als Jüngster der diesjährigen Nobelpreisträger fühle ich mich Ihren studentischen Wünschen und Sorgen besonders nahe verbunden, habe ich doch vor nur 7 Jahren selbst noch als Student die Hallen der Alma Mater betreten. An diesem festlichen Abend steht meine eigene Studentenzeit mir besonders lebendig vor Augen, die ebenso von ernsten und fröhlichen Stunden durchzogen war wie das in Ihrem Studentenleben der Fall ist.

Meine heute mit mir gemeinsam ausgezeichneten Kollegen der Physik, Chemie, Medizin und Literatur sind wohl wesentlich prädestinierter Ihnen einige Worte der Ermunterung zu sagen, als es mir zustehen mag. Ich erlaube mir dennoch Ihnen zu wünschen dass Sie unbeirrt die Ziele folgen mögen, die Sie sich gesetzt haben ohne sich dabei entmutigen zu lassen. In dieser Zeit rapider wissenschaftlicher Entwicklung können Sie eine Zukunft erwarten, die Ihrem Eifer und Ihrer Begeisterung eine Fülle von Problemen bereithält, sei es dass Sie sich der reinen Wissenschaft verschreiben oder aber auf anderen Gebieten tätig sein werden.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch einmal für den herzlichen Empfang danken den Sie uns bereitet haben und wünsche Ihnen für Ihre eigene Zukunft viele freudige und erfolgreiche Stunden.

From Les Prix Nobel en 1961, Editor Göran Liljestrand, [Nobel Foundation], Stockholm, 1962

 

Copyright © The Nobel Foundation 1961
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MLA style: "Rudolf Mössbauer - Banquet Speech". Nobelprize.org. Nobel Media AB 2014. Web. 30 Sep 2014. <http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/1961/mossbauer-speech.html>

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